Was ist die »Nigeria-Connection«?

Per Mausklick zum Millionär

11.05.2009 Wilhelm Ruprecht Frieling

Originelle Spams wurden zum Buch gebunden - Wilhelm Ruprecht Frieling
Originelle Spams wurden zum Buch gebunden - Wilhelm Ruprecht Frieling
Die »Nigeria-Connection« tummelt sich bevorzugt in den Weiten des Internets. Inzwischen hat sie auch Skype entdeckt.

Täglich sammeln sich in elektronischen Postfächern viel versprechende Hiobsbotschaften aus aller Welt. In broken english oder krudem Deutsch wird Bargeld in beträchtlicher Höhe angeboten, das dem Empfänger als Geschenk des Himmels in den Schoß fällt. Reichtum pur sprudelt nur einen Mausklick weit entfernt.

Inzwischen wird auch der Internet-Gratistelefonanbieter Skype von der Invasion der Geldboten überrannt. Aus dem Nichts melden sich über diesen Dienst telefonisch angebliche Bankberater und Rechtsanwälte, die dringend Millionen loswerden wollen.

Onkel Wumba aus Kalumba erzählt Geschichten

US-Soldaten aus dem Irak, die Bargeld, Kunstschätze und Gold erbeuteten, suchen einen sicheren Hafen für ihre Beute. Anwälte und Behörden fahnden nach einem Verwendungszweck für die von schwer reichen Attentatsopfern hinterlassenen Millionen. Sterbende wollen ihre Sparguthaben für gute Zwecke spenden, um sich einen sonnigen Platz im Himmel zu sichern. Es geht um verunglückte Familien, einsame Diktatorenwitwen und zufällig entdeckte Vermögen. Onkel Wumba aus Kalumba spinnt phantastische Geschichten, und der deutsche Michel glaubt sie ihm gern.

Hinter den Briefen stehen hoch professionelle Banden. Sie fälschen amtliche Dokumente, arbeiten mit getürkten E-Mail-Konten und locken auf perfekt nachgemachte Homepages von international bekannten Unternehmen. Stets handelt es sich dabei um Vorschussbetrug. Geht nämlich ein Empfänger auf den Absender ein, wird er immer wieder aufs Neue für Vorschüsse, Bestechungsgelder und Gebühren zur Kasse gebeten. Sein investiertes Geld ist unweigerlich verloren, nie sah jemand auch nur einen Cent.

Viele Betrüger stammen aus Nigeria

Standort der Absender ist häufig Nigeria. Nach dem entsprechenden Paragraphen 419 des nigerianischen Gesetzbuches wird diese Art des Betruges auch »four-one-niner« oder »419 scam« genannt. »Scam« kennzeichnet in diesem Zusammenhang die Masche bzw. Machart des Betruges. Absender derartiger Offerten werden deshalb auch als »Scammer« bezeichnet.

Trotz ihrer Offensichtlichkeit sind bereits Zehntausende auf die Massenbriefe aus Nigeria hereingefallen. Bekannt ist die Geschichte vom Bürgermeister der westfälischen Stadt Ennigerloh. Er ließ sich von einem Sozialhilfeempfänger von einem angeblich in Afrika fest sitzenden Millionenvermögen überzeugen und zahlte diesem im Voraus 145.000,00 Euro aus. In einem anderen Fall erschoss 2003 ein wütender tschechischer Pensionär den nigerianischen Botschafter in Prag, als der ihm noch mehr Bares für angebliche Hilfeleistungen bei der Wiederbeschaffung seines Vermögens abknöpfen wollte. Menschen, die persönlich nach Nigeria reisten, um nach dem Verbleib ihrer Vorschüsse zu fahnden, verschwanden auf Nimmerwiedersehen in den Weiten des von Krisen geschüttelten Landes.

Raffsucht ist das Motiv der Kettenbriefe

Pure Raffsucht bestimmt das Leben derjenigen, die solche Mails absenden, und nackte Gier lässt die Empfänger glauben, es sei vielleicht doch etwas dran an den abstrusen Geschichten. Bei manchem Zeitgenossen setzt deshalb wohl der Verstand aus, wenn er denn tatsächlich klickt, um über Nacht zum Millionär zu avancieren.

Nachdem sich der Begriff von der »Nigeria Connection« bis zu ihren Absendern herum gesprochen hat, kommen diese Millionenofferten mittlerweile aus Burkina Faso, Elfenbeinküste und anderen schwarzafrikanischen Ländern.

Ein halbes hundert Original-Schreiben der Nigeria-Connection hat der Autor dieses Beitrages in seinem Buch »ONKEL WUMBA AUS KALUMBA. Per Mausklick zum Millionär« gesammelt.

Urheberrecht: Wilhelm Ruprecht Frieling. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

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